Fotos gibts aber (leider) immer noch keine / USB-Anschluesse sind hier eine Raritaet… Vielleicht mag ja jemand trotzdem den langen Eintrag hier lesen 😉

Als Nachtrag zum letzten Bericht muessen wir hier unbedingt noch loswerden, dass Kiev offenbar die Hauptstadt der “Stoecklischuhe” ist – man sieht hier unglaublich viele Frauen in unglaublich unbequemen Schuhen ziemlich konzentriert ueber die holprigen Pflastersteine balancieren!

Am Dienstag bestiegen wir den Zug nach Simferopol, eine Hafenstadt an der Suedkueste der Krim. Am Bahnhof von Kiev herrschte ein unglaubliches Chaos und die Leute draengten auf den Perron, als sei die ganze Stadt in Flammen und dies die letzte Fluchtmoeglichkeit… Da half nur noch ein entlebucherdeutsches “hoer ou uf so druecke!” von Yvonne, um wenigstens ab und zu ein paar der umfangreichen Damen etwas auf Distanz zu halten!

Das Zugsabteil – die Wagen stammen wohl noch aus der Zeit des Kommunismus und aehneln stark jenen der Transsib- war kochend heiss und wir teilten es uns mit einem Paerchen, welches aus den Badeferien in der Tuerkei zurueck kam. Nach langen 16 Stunden, in denen wir oft vom starken Rucken und Rumpeln des Zuges aufgeweckt wurden, rollten wir in den Bahnhof von Sevastopol ein – und wurden von einer schrecklichen Aussicht empfangen! Ueberall nur Industrie, Bergwerke, Abfall, Kriegsschiffe und sogar ein verrostetes U-Boot, dazu eine duerre Steppenlandschaft und viele Bauruinen.

Trotzdem kontaktierten wir Rouslana, eine junge Frau, die – gemaess Internet – Zimmer vermietet und Englisch spricht. Sie holte uns schon kurz darauf am Bahnhof ab und brachte uns in eine kleine, aber kuehle und saubere Wohnung im Stadtzentrum. Ein erster Spaziergang auf der Promenade am Meer zeigte, dass alles halb so schlimm ist und die Stadt auch ihre schoenen Seiten hat – diese jedoch dominiert von protziger Sowjet-Architektur mit unzaehligen Denkmaelern fuer Helden und Kriege. Hier sah man auch sehr viele Soldaten und Matrosen, sowohl ukrainische als auch russische: Sevastopol ist fuer die Flotten beider Laender ein wichtiger Stuetzpunkt am schwarzen Meer.

Am Abend kochten wir selbst in der “eigenen” Wohnung und machten dabei Bekanntschaft mit der sowjetischen Tomtaensauce – eine Erfahrung, auf die man auch verzichten koennte…

Am Donnerstag machten wir uns dann auf die Suche nach einem angenehmen Strand (diejenigen in Stadtnaehe waren entweder ueberfuellt oder aus Beton). Der Fahrer des Minibuses, fuer den wir uns schliesslich entschieden hatten, war immerhin so freundlich, uns an der richtigen Stelle auszuladen – dies ist eigentlich erstaunlich, sind doch die Leute hier eher kuehl bis sogar unfreundlich oder zumindest desinteressiert; oft kann man eigentlich schon froh sein, wenn man von einer Person an einem Schalter oder einer Ladentheke ueberhaupt beachtet wird. Wir folgten dann einfach den anderen jungen Leuten und landeten so auch tatsaechlich am Strand – dieser jedoch auch ziemlich voll und vorallem uebersaeaet von leeren (PET-)Bierflaschen. Ueberhaupt trinken hier alle und immer und ueberall – hauptsaechlich Bier in grossen Flaschen, aber auch Wodka und Alcopops.

Wir fanden schliesslich eine akzeptable Ecke fuer uns und genossen so doch noch den lange ersehnten Nachmittag und Abend am Strand. Das Wasser hier ist uebrigens bemerkenswert klar und sauber, es gibt auch viele Fische, Krebse und kleine (offenbar ungiftige) Quallen.

Auch am Freitag unternahmen wir erneut eine kleine Reise zu einem entlegenen Strand, nun schon etwas versierter beim Gebrauch der hiesigen Verkehrsmittel. Es gibt unterschiedliche Bus-Typen; am guenstigsten und sehr langsam sind die uralten und riesigen Trolleybusse, danach gibt es verschiedene Busse mittlerer Groesse und schliesslich eine Unzahl von sogenannten “Marshrutkas”, kleine Lieferwagen und Minibusse. Letztere sind das teuerste oeffentliche Verkehrsmittel, eine halbstuendige Fahrt kostet damit schon mal etwas mehr als einen Franken…

Ausserhalb von Sevastopol gibt es einen riesigen Verkehrskontenpunkt namens “5km”, dort treffen alle Busse irgendwann ein und es gibt einen endlosen Markt, auf dem man so ziemlich alles findet, von der Militaeruniform ueber (koestliches) frisches Gemuese und Obst bis zu Kleidern und Baumaterialien. Dort warteten wir ewig in der grossen Hitze auf den richtigen Bus (man steht hier in Einerkolonne brav aum Strassenrand an, um dann bei Eintreffen des Wagens wieder ein ordentliches Gedraenge zu veranstalten). Anschliessend kurvten wir eine Ewigkeit um Militaerbasen und kleine Doerfer und kletterten dann schliesslich auf einer hohen Klippe ueber dem Meer gut duerchgeschuettelt und schweissverklebt aus dem Wagen. Zum Strand mussten wir noch etwa eine Stunde lang ueber die Felsen hinunterklettern, auf ziemlich rutschigen und unsicheren Pfaden – wobei wir immer wieder von jungen Russen und Ukrainern ueberholt wurden, die das Gelaende wie Gemsen in FlipFlops durchsprangen. Der strenge Abstieg wurde dann aber von einem Bad im kuehlen Meer belohnt, in einer kleinen Bucht mit nur wenigen Badenden, glasklarem Wasser, einer bezaubernden Aussicht auf die maechtigen Felsen und Klippen und – als kleiner Wermutstropfen – einem Autowrack in einer Ecke.

Um etwas naeher ans Meer zu kommen verliessen wir am Samstag Sevastopol und fuhren mit dem Ueberland-Bus nach Yalta. Dies ist das touristische Zentrum der Krim-Suedkueste und voll von feiernden und badenden Menschen (allerdings hoerten wir bis heute nur einmal franzoesisch und einmal deutsch – ansonsten sind wir offenbar die einzigen “Westler” weit und breit und Verkaeufer, Buschauffeure und Passanten staunen jedesmal, dass hier jemand nicht russisch versteht). Wir geniessen das flanieren auf der langen Strandpromenade, wo es Attraktionen aller Art gibt – und natuerlich alle zehn Meter einen Bierstand! Abgesehen vom ziemlich massiven Alkoholumsatz erinnert das Nachmittags- und Nachtleben in Yalta sehr an ein Badestaedtchen in Italien oder Spanien. Wir fanden hier wieder eine kleine Wohnung – an den Busbahnhoefen gibt es viele Einheimische, die Zimmer und Wohnungen (“Kwartira”) an Reisende vermieten, und diese sind offenbar guenstiger und sauberer als die Hotels – trotzdem bezahlen wir hier 60$ pro Nacht fuer eine zum Studio ausgebaute Garage…

Gestern waren wir mit einem Ausflugsschiff am Kap Ai-Todor, wo auf einem der Kueste vorgelagerten Felsen, hoch ueber dem Wasser, ein kleines Schloesschen in mitterlalterlicher Bauweise thront. Leider handelt es sich bei diesem “Wahrzeichen” der Krim um eine Faelschung, wurde es doch erst Anfang 20. Jahrhundert gebaut. Der Weg von der Anlegestelle zum Schloesschen war eingefasst von kleinen Souvenierstaenden mit Kitsch aller Art und gut gefuellt mit russischen Reisegruppen, alles in allem also etwas sehr touristisch fuer unseren Geschmack… Das wurde dann auch nicht viel besser, als wir ins Oertchen Alupka fuhren, auf der Suche nach einer guten Badegelegenheit: auch hier massenhaft Leute und ein ueberfuellter Strand. Vom Schiff aus hatten wir aber eine herrliche Aussicht auf das eindrueckliche Krimgebirge (mit Bergen bis zu 1500 Metern Hoehe ziemlich nahe am Meer) und die ausgedehnten Waelder und Parks, waehrend sich der Kueste entlang die Sanatorien reihen, welche von den Sowjets zur Erholung der Arbeiter aus dem ganzen Reich gebaut wurden. Immerhin kamen wir am Abend in den Genuss eines Gratis-HipHop-Konzertes einer offenbar sehr bekannten und beliebten ukrainischen Band im Rahmen des hier gerade stattfindenden BreakDance-Contests (die Jungs sind wirklich gut!).

Somit haben wir eigentlich wieder genug von Massentourismus, Liegestuhlstraenden und Gruppenreisenden, weshalb wir heute weiter in Richtung Osten reisen – laut unserern Buechern sei es dort weniger “touristisch” und etwas ruhiger. Wir werden sehen…

A propos sehen: die Fotos kommen dann halt auf die Website, wenn wir wieder zu Hause sind…

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